Sonstiges

Erklärung betreffend die Liste der Piratenpartei zur Europawahl 2019

  1. Der Bundeswahlausschuss hat heute unsere Mitte 2018 aufgestellte Liste zur Europawahl 2019 unverändert zugelassen. Die beantragte Streichung des zweiten Listenkandidaten Gilles Bordelais wurde leider abgelehnt.
  2. Als Gilles Bordelais auf die Liste der Piratenpartei zur Europawahl gewählt wurde, war er langjähriger Mitarbeiter unserer Europaabgeordneten Julia Reda in Brüssel. Nach Angaben von Julia Reda wurde sein Arbeitsverhältnis zwischenzeitlich gekündigt; sie habe diese Kündigung infolge ihrer Untersuchung mehrerer erst nach der Aufstellungsversammlung bei ihr eingegangener Beschwerden wegen sexueller Belästigung durch Gilles Bordelais bei der Parlamentsverwaltung beantragt. Im Februar 2019 stellte ein beratender Ausschuss über Belästigung am Arbeitsplatz nach eingehender Prüfung der Vorwürfe fest, dass Aspekte des Verhaltens von Gilles Bordelais einer Mitarbeiterin gegenüber als sexuelle Belästigung einzustufen seien.
  3. Als der Bundesvorstand von Julia Reda über die Beschwerden und das zu diesem Zeitpunkt noch laufende Kündigungsverfahren informiert wurde, sollte zunächst der anstehende Ausgang der Prüfung durch den beratenden Ausschuss abgewartet werden. Desweiteren hatte Gilles Bordelais seinen freiwilligen Rücktritt von der Liste zugesichert, sollte der beratende Ausschuss des Europaparlaments zu Belästigung am Arbeitsplatz zu dem Schluss kommen, dass sexuelle Belästigung stattgefunden hatte. Als diese Feststellung des Ausschlusses im Februar 2019 schließlich vorlag, hat Gilles Bordelais gegenüber dem Bundesvorstand seinen Rücktritt als Kandidat zur Europawahl erklärt, dieser Rücktritt wurde mit Einverständnis mit Gilles Bordelais auf der Website der Piratenpartei öffentlich gemacht. Zeitgleich zur Erklärung gegenüber der Piratenpartei hat Gilles Bordelais selbsttätig bei dem Bundeswahlleiter eine fehlende Unterlage für seine Zulassung zur Wahl nachgereicht. Leider hat es sich als unmöglich erwiesen, ihn von unserer Liste zur Europawahl streichen zu lassen. Das Wahlrecht sieht einen Rücktritt von Kandidaten nicht vor (§ 9 Abs. 3 S. 5 EuWG). Für die Aufstellung einer neuen Liste fehlte uns im Zeitraum Februar 2019 bis Fristablauf am 4. März die Zeit. Ich bedauere dies außerordentlich. Trotz der geringen Chancen für eine Wahl von Gilles Bordelais war es uns wichtig, seine Streichung von der Europaliste zu erwirken. Die Piratenpartei ist die Partei der Grund- und Menschenrechte. Frauenrechte stehen zurecht im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist inakzeptabel.
  4. Es ist davon auszugehen, dass sich die entgegen unserer Absicht fortbestehende Listenkandidatur von Gilles Bordelais nicht auswirken wird. Nach aktuellen Meinungsumfragen kann die Piratenpartei Deutschland bei der Europawahl 2019 mit einem Ergebnis von rund 1,0% und damit einem Sitz rechnen. Ich möchte in Europa künftig für den Schutz unserer digitalen Rechte und Freiheiten kämpfen. Die Verfehlungen eines Listenkandidaten sollten unsere unverzichtbare Arbeit im Europäischen Parlament für Freiheit, Würde und Teilhabe nicht zerstören.

Ergänzung vom 24.03.2019: Nähere Informationen in der Wählerinformation der Piratenpartei

Information on the German Pirate Party’s list of candidates for the 2019 European Parliament election

  1. The Federal Election Committee today approved our list of candidates for the 2019 European elections. The candidates had been elected at a party convention in mid-2018. The requested removal of the second candidate on the list, Gilles Bordelais, was unfortunately rejected today.
  2. When Gilles Bordelais was elected to the list, he was a long-time employee of our MEP Julia Reda in Brussels. According to Julia Reda, his employment contract has been terminated in the meantime; she had applied to the parliamentary administration for this termination following her investigation of several complaints of sexual harassment by Gilles Bordelais, which she had received only after the party’s list had been elected. In February 2019, an advisory committee on harassment at the workplace, after a detailed examination of the allegations, found that aspects of Gilles Bordelais’ behaviour towards one employee should be classified as sexual harassment.
  3. When Julia Reda informed the German Pirate Party’s board about the complaints and the dismissal proceedings still ongoing at that time, the board decided to wait for the pending outcome of the examination by the advisory committee. Furthermore, Gilles Bordelais had promised his voluntary resignation from the list should the European Parliament’s Advisory Committee on Harassment at the Workplace conclude that sexual harassment had taken place. When this finding was made in February 2019, Gilles Bordelais declared his resignation as a candidate to the party’s board, and this resignation was made public on the German Pirate Party’s website with Gilles Bordelais’s agreement. At the same time as making his statement to the board, Gilles Bordelais submitted a missing document to the Federal Election Commissioner for his admission to the election. Unfortunately, it proved impossible to have him removed from our list for the European elections. The German voting statutes do not provide for the resignation of candidates (§ 9 para. 3 sentence 5 EuWG). We did not have time to draw up a new list between February 2019 and the deadline of 4 March. I very much regret this. Despite the low chances of Gilles Bordelais being elected, it was important to us to obtain his removal from the list. The Pirate Party is the party of fundamental and human rights. Women’s rights are rightly the focus of public attention. Sexual harassment in the workplace is unacceptable.
  4. It is to be expected that Gilles Bordelais’s candidacy, which continues contrary to our intentions, will have no effect. According to current opinion polls, the Pirate Party of Germany can expect a result of around 1.0% and thus 1 seat in the European Parliament. Being the party’s lead candidate, I want to fight for the protection of our digital rights and freedoms in Europe. The misconduct of one list candidate shall not destroy our indispensable work in the European Parliament for freedom, dignity and participation.

2 Kommentare zu “Erklärung betreffend die Liste der Piratenpartei zur Europawahl 2019

  1. Pingback: Julia Reda – Stellungnahme zur Wahlzulassung von Gilles Bordelais für die Europawahl

  2. Pingback: Froschs Blog: » Zum Statement von Julia Reda

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