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Vorratsdaten-Skandal: Auch in Deutschland unschuldig Verurteilte?

Falsche Handy- und Internetdaten könnten auch in Deutschland zur Verfolgung Unschuldiger geführt haben, warnt der Europaabgeordnete Dr. Patrick Breyer (Piratenpartei) nach der gestrigen Anhörung des Innenausschusses des Europäischen Parlaments zum dänischen Skandal um falsche Telekommunikationsdaten. Dänemark benachrichtigt ausländische Strafverfolger, die fehlerhafte Daten erhalten haben, nach eigenen Angaben nicht von sich aus.

Nachdem IT-Fehler bei der dänischen Polizei dazu geführt haben, dass Strafverfolger mit falschen Handy- und Internetdaten gearbeitet haben, prüft Dänemark tausende von Strafverfahren neu – aber nur dänische Strafverfahren. Ans Ausland weitergegebene fehlerhafte Daten würden nur dann überprüft und korrigiert, wenn eine ausländische Behörde anfragt, teilte die dänische Polizei gestern mit. Die EU-Kommission sah Dänemark dagegen in der Pflicht, aktiv alle übermittelten falschen Daten zu berichtigen. Zuständig für Konsequenzen aus dem Skandal seien die Datenschutzbehörden, so die Kommission.

“Der dänische Skandal um falsche Vorratsdaten vor Gericht zeigt: Handy- und Internetdaten bringen Unschuldige in Gefahr. Sie ohne Verdacht von jedem Bürger auf Vorrat zu sammeln wie in Dänemark, ist unverantwortlich”, kommentiert der Europaabgeordnete Dr. Patrick Breyer (Piratenpartei). “Als erste Sofortmaßnahme muss Dänemark alle ausländischen Strafverfolger benachrichtigen, die wegen fehlerhafter Kommunikationsdaten Unschuldige verfolgen könnten – es geht hier um unsere Sicherheit als unbescholtene Bürger!”

In einem Brief an den Europäischen Datenschutzausschuss (EDSA) fordert Breyer heute die dänische Datenschutzbehörde auf, sich einzuschalten. Außerdem fordert er eine EU-weite Überprüfung der Polizei-IT auf ähnliche Fehler.

Zusammenfassung des dänischen Vorratsdaten-Skandals für das Europäische Parlament

Aufzeichnung der Anhörung (ab 16 Uhr)

Schreiben von Dr. Patrick Breyer an den Europäischen Datenschutzausschuss (EDSA):

Betreff: Danish data retention scandal
Datum: Wed, 22 Jan 2020 13:30:00 +0000
Von: BREYER Patrick <europa@patrick-breyer.de>
Organisation: Team Patrick Breyer (Piratenpartei)
An: edpb@edpb.europa.eu

Dear Sir/Madam,

I am writing you as a member of the European Parliament’s civil liberties committee.

Yesterday we had a hearing about the Danish data retention scandal where errors in police software (errors when converting raw data received from providers) resulted in false communications data being used to prosecute crime. Denmark is reviewing thosands of cases to see whether the false data has had an effect on their outcome. This is a summary of the case: <https://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2014_2019/plmrep/COMMITTEES/LIBE/DV/2020/01-20/Danish_data_retention_EN.pdf>

A consultancy commissioned by Denmark has identified several shortcomings in the police’s IT systems and in prosecution: – IT systems and the associated IT infrastructure were found to be “complex, outdated, and difficult to maintain”, and were maintained by a single employee – there was a lack of administrative practices for quality control of the data conversion system – prosecuters were frequently “overstating the accuracy of mobile location data”

Several problems arise:

1) Denmark exchanges communications data with other Member States. While the Commission said Denmark was obliged under the data protection directive to notify recipients of false communications data, the Danish police representative said they were only answering questions from receiving authority. The data protection authority would need to make sure all receiving authorities are notified of errors and, in the meantime, notified that the data MAY be erroneous.

2) It appears that no other Member States are examining their systems for similar “conversion errors”. There appears to be no systematic quality control/audit of those systems. Please consider whether the Danish scandal justifies initiating a joint examination of the IT systems used in processing communications data.

Yours sincerely
Patrick Breyer, MEP

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