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Lobbyismusreport: Apotheker laden zu “politisch-kulinarischem Abend” in Nobelrestaurant ein

Foto: el_gallo, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0Nachdem ich über eine Luxuseinladung der Sparkassen berichtet habe, erreicht mich nun das nächste “unmoralische Angebot”:

Die öffentlich-rechtliche Apothekerkammer Schleswig-Holsteins lädt mich als Vorsitzenden der Piratenfraktion ein zu einem “politisch-kulinarischen Abend” in das 4-Sterne-Romantikhotel “Kieler Kaufmann” ein, laut Michelin-Führer das beste Restaurant der Stadt, das über einen Sternekoch verfügt (siehe auch die Speisekarte).

Geboten werden soll an dem Abend “Politischer Austausch – Unterhaltung – Kulinarik”: “Musikalisch begleitet wird der Abend von dem Showpianisten David Harrington” (siehe Website und Video).

In meinen Augen ist es nicht in Ordnung, wenn Lobbyisten politische Entscheidungsträger zu kostenloser “Unterhaltung” und “Kulinarik” einladen. In den USA werden solche Praktiken von einem speziellen Parlamentsausschuss streng überwacht, während es bei uns keinerlei Kontrolle gibt. Ich werde die Einladung nicht annehmen.

Ergänzung vom 10.02.2013: Ich habe die Einladung eingescannt (pdf).

17 Kommentare zu “Lobbyismusreport: Apotheker laden zu “politisch-kulinarischem Abend” in Nobelrestaurant ein

  1. Der erste Link führt auf die Seite des weißen Hauses.

  2. Wenn Du nicht hingehst weisst Du ja auch nicht was dort abgeht. Und welche ggf. verwerflichen Absprachen dort getroffen werden die es gilt ans Licht zu bringen.

  3. Völlig falsch, da nicht hinzugehen. Man informiert sich zumindest darüber, was da abgeht und was die von einem wollen.

  4. Pirat Bernhard

    Hallo Patrick,

    finde auch das du da hingehen solltest um zu sehen was da so Ausgehandelt werd und wenn
    du dann immer noch der Meinung bis das die Veranstaltung eine reine Lobbyismus ist wo Lobbyisten politische Entscheidungsträger zu kostenloser “Unterhaltung” und “Kulinarik” einladen und verwerflichen Absprachen dort getroffen werden die es gilt ans Licht zu bringen. Und es ist mit sicherheit glaubwürdiger, zu sagen ich war dabei!!!

  5. Nicht hinzugehen sehe ich als den falschen Ansatz… Wie will man das System ändern, wenn man es nicht genau kennt und nicht weiß, welche Absprachen gemacht werden…

  6. Auf jeden Fall hingehen.

    Du hast deine Position klar deutlich gemacht.

    Aber diesen Informationsgewinn sollte man sich nicht entgehen lassen.

  7. Wolfgang Dudda

    Lieber Patrick,

    die Einladung habe auch ich erhalten, weil ich bei uns für Sozial- und Gesundheitspolitik zuständig bin. Ich werde diese Einladung annehmen und begründe dies:
    1. Mit den Apothekern bin ich seit dem Sommer 2012 insbesondere wegen des Drugchecking in Kontakt. Sie stehen unseren Vorstellungen sehr positiv gegenüber. Der Dialog dazu muss weiterhin geführt und vertieft werden. Desweiteren haben mir die Apotheker auch erklärt, dass sie die Abkehr davon diskutieren, Cannabis nicht an Erwachsene abzugeben. Auch dabei braucht es den Dialog.
    2. In unserem Wahlprogramm steht, dass wir das Leben im ländlichen Raum stärken wollen. Dazu braucht es auch auf dem Lande Apotheken. Deswegen werde ich im März einen Nachtdienst in einer sehr ländlich gelegenen Apotheke mitmachen, um vor Ort zu erleben, was heißt es, wirtschaftlich ums Überleben kämpfen zu müssen – anders als die Apotheken in 1a-Lagen in unseren Städten.

    Der Rahmen der Veranstaltung könnte gewiss bescheidener gestaltet werden. Das ist klar. Und ich werde dort weder prassen, noch werde ich mich der Völlerei hingeben. Ich suche das Gespräch.

    Es wäre übrigens sehr gut gewesen, wenn Du diesen Schritt mit mir zumindest vorab erörtert hättest. Das wäre den Punkten 1. und 2. gewiss zuträglicher gewesen.

    Liebe Grüße
    Wolfgang

  8. Deine Haltung finde ich gut. Wenn er einen politischen Abend – mit oder ohne Kulinarik – veranstalten will, dann soll der Apothekerverband dies
    – in lokalen Käseblatt und/oder online
    – mit der vollständigen Liste der Eingeladenen und deren Relevanz
    -vorab
    veröffentlichen. Dann weiß man, wenn da Pharmavertreter, IHK-Präsi, Bauunternehmer und andere Interessenvertreter auf mehr oder weniger angeheiterte Politiker einwirken könnten. Konspiratives Besäufnis unter Ausschluss der Öffentlichkeit führt zu Kumpanei und Seilschaftsbildung ist das Gegenteil von Transparenz.

  9. Mörtlbauer

    Hier muss man ein klares Zeichen setzen.
    Solche Einladungen nimmt man nicht an – man kann aber eine Gegeneinladung schicken – mit dem Hinweis, dass man sich seine Brotzeit selbst mitbringen darf.

    • Patrick Breyer

      Hallo,

      nur zur Klarstellung: Natürlich führe ich Gespräche mit Interessenvertretern, aber nicht in diesem Rahmen. Bei Gesprächsterminen frage ich immer, ob der Gesprächspartner mit einer Aufzeichnung und Veröffentlichung im Netz einverstanden ist; bei bestimmten Gesprächspartnern mache ich das zur Bedingung (z.B. Glücksspiellobby). Siehe Transparenzangaben.

  10. Na ja, wenn man sich völlig “abseits” stellt und nicht auch(!) mal an sowas teilnimmt, kann man kaum hoffen, dass die später auf die eigenen Forderungen eingehen. Dort hinzugehen heisst doch nicht, vor denen einzuknicken und später irgendwas zu tun, was die wollen.

    Das Problem ist doch, die Sache findet trotzdem statt (und fällt nicht etwa aus), nur eben ohne Euch.

    Und ob Ihr Euch und Euren Wählern damit einen Gefallen tut, weiss ich ja nicht.

  11. gib die einladung doch an einen bedürftigen weiter.
    der darf sich satt essen und sitzt bei musik im warmen

  12. Ich finde es richtig, das nicht zu unterstützen und aufzuwerten. Welchen Zweck soll dieser überdimensionierte, auf Kosten der Inhalte gehende Rahmen haben, wenn nicht unterschwellige Korruption. Es ist doch klar, dass man als Entscheidungsträger bei der nächsten Abstimmung unter dem Eindruck auch dieses Veranstaltungsrahmens steht.

    “Spiele mit, sonst tun es die anderen”: Damit könnte man auch jede Tötung rechtfertigen, denn sterben tun wir alle mal. Außerdem lässt man sich so fremdbestimmen, dafür haben wir schon CDU und SPD.

  13. Hut ab, Patrick.

    “Gespräch suchen” ginge auch ohne diesen Rahmen. Denn Dieser soll dem Ergebnis nützlich sein. Wolfgang, bitte frage Dich, wem es nützt.

    Und zur Absprache: Patricks Ansichten in der Sache sind konsequent piratisch. Das bedarf keiner Diskursion.

    Max, der das Programm gelesen und verinnerlicht hat 😉

  14. Finde ich sehr gut da standhaft zu bleiben. Ich wäre auch in Gefahr gelaufen es mir da wie Wolfgang einfach zu machen.

    Bernd

  15. Es gibt ja auch Studien die zeigen dass sich Menschen im Unterbewusstsein zu Dank verpflichtet fühlen, auch wenn man sich bewusst immer einredet “Ich sehe mir das nur an, ich lasse mich nicht beeinflussen”. Ich glaub LobbyControl oder Transparency International hatten mal was dazu. Isofern ist es verständlich und eventuell die einzig richtige Entscheidung solche Angebote grundsätzlich abzulehnen.

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